Wovon das Herz voll ist, davon redet der Mund

15
Sep

#5: EKS UND STEVE JOBS

von Claudia Linker (Monnet)

Ich muss Ihnen ein Geständnis machen: Die Art, wie ich EKS-Beratungen durchführe, weicht erheblich vom Schema ab. Ich formuliere weicher als EKS. Ich habe EKS für mich abgewandelt, erweitert, ergänzt. Das erklärte EKS-Ziel ist nämlich immer, strategisch einen Bereich für sich zu definieren, auf dem ich Marktführerschaft anstreben kann und werde. Nun heiße ich nicht Steve Jobs und fühle mich nicht berufen „eine Delle ins Universum zu hauen“. Ich mag lieber leisere Töne und behutsame Entwicklungen. Umsicht ist ein Lieblingswort von mir.

Steve Jobs erwähne ich hier aber auch nicht von ungefähr. Er muss zwar ein ziemlich cholerischer Mensch gewesen sein. Nach allem, was ich weiß, ist mir der menschlich umgänglichere und umsichtigere Bill Gates deutlich sympathischer. Aber Steve Jobs konnte auch inspirierend reden und seine Stanford-Rede ist sehr empfehlenswert! Poetisch und emotional beschreibt er, wie ich über strategische Planung denke. Das war ihm ganz bestimmt gar nicht bewusst. In der Rede spricht er über das, woran er im Innersten glaubt. 

Er nennt es: „the dots will connect“, frei übersetzt: Die Mosaik-Steinchen meines Lebens werden sich verbinden und die Verbindungen werden tragen, wenn ich nur solche Mosaik-Steinchen einsammele, die mir wirklich etwas bedeuten. Das ist die Dimension, die ich EKS unbedingt hinzu füge.

In meinem Leben lagen viele Mosaik-Steinchen lange Zeit unverbunden herum. Ich hatte sie fast vergessen. Strategische Arbeit lenkt den Blick aber genau dahin, auf das fast Vergessene: Sichtbar wird, was einen (noch) nährt, aber ungenutzt schlummert und brach herum liegt. Sichtbar werden Schätze, die gehoben werden wollen.

Bei mir sind es zwei große Themen-Bereiche:
Sprachen.
Kunst und Kultur. 

Mit beidem habe ich mich lange intensiv befasst und wollte es mal beruflich nutzen. Ich studierte in Frankreich „was mit Kunst“ und spreche einen Haufen Sprachen mehr oder weniger gut. Dann heiratete ich einen Flensburger Professor und stieg mit großem Vergnügen in das bestehende Beratungsunternehmen ein.

Die Mosaik-Steinchen „Sprachen“ sowie „Kunst und Kultur“ aber lagen sehr lange recht unverbunden herum. Hat sich das durch die strategische Neuorientierung der Firma geändert? Die Antwort ist: bislang nicht, mit Betonung auf bislang. Denn diese Themen sind eindeutig nach vorne gerutscht. 

Seit Jahren mache ich mich jeden Tag wenigstens ein bisschen schlauer in sechs Sprachen: dänisch, englisch, französisch, italienisch, russisch, spanisch. Unsere Website habe ich von Beginn an in vier Sprachen online gestellt. Mein Russisch ist immer noch zu schlecht. Aber die spanische steht schon lange auf der To-Do-Liste. Vielleicht wird das im nächsten Sommer klappen?

In diesem Sommer kamen erst einmal viele Mosaik-Steinchen im Bereich „Kunst und Kultur“ dazu. Eine ganze Woche lang war ich auf der documenta 14 in Kassel. Das neue Blog-Thema steht: Kunst und Kommunikation. 

Im Bild oben sehen Sie eine Art Mosaik. Auf YouTube können Sie entdecken: Es ist in Bewegung. Das Werk “The End“ des griechischen Künstlers Nikos Alexiou ist inspiriert von einem Boden-Mosaik des Klosters Ivirion auf dem Berg Athos. Was das YouTube-Video nicht zeigt: Den Besuchern macht dieses Kunstwerk Spaß! Sie stellen sich ins Licht, viele legen sich sogar auf den Boden. Sehr viele nehmen eine minutenlange Lichtdusche. 

Soll und darf Kunst Spaß machen? Darüber werde ich das nächste Mal mehr schreiben. 

16
Aug

#4: DEN KOMPASS AUSRICHTEN

von Claudia Linker (Monnet)

Ein Jahr ist vergangen seit unserem Fasten-Wandern auf Sylt.
Was war noch mal das Ziel, beides zu verbinden: Die Übungen für den Leib und die EKS-Übugungen für unsere strategische Unternehmensplanung?
Wir wollten näher bestimmen, wie wir gemeinsam ein genussvolles Leben führen können, beruflich und als Ehepaar, auch im bei Wolfgang recht weit fortgeschrittenen Alter. 

Das ist erfreulich gut gelungen.
Ich war 2016 schon gut gebucht.
Dieses Jahr ist in richtig schön trockenen Tüchern.
Ich bin freudig überrascht.
Sehr dankbar bin ich auch.

Danke an Ute Lamboley und Carola Krause von Profitraining, die mich vor einem Jahr zur Kooperationspartnerin machten, mir seither viele wunderbare Aufträge vermittelt haben und die Absicht bekunden, weitere zu vermitteln. Ich freue mich darauf!

Danke an Jörg Freiesleben in der Vertriebsakademie der HanseMerkur Versicherungs-AG, der mich in seiner neuen Position überraschend erneut um umfassende Unterstützung bat. Das Projekt erlaubte mir, wunderbare neue Bekanntschaften zu machen und ein wirklich gutes Betriebsklima von „innen“ zu erleben. Das ist in diesem Ausmaß bei dieser Firmengröße so besonders, dass es verdient, betont zu werden. 

Danke vor allem natürlich an cookionista, das wächst und gedeiht, wie junge Unternehmen und kleine Kinder das eben tun: Es kostet immer mal wieder die eine oder andere Schrecksekunde, seltener eine schlaflose Nacht. Vor allem aber macht es sehr glücklich, etwas mit aufzubauen.

Danke an Wolfgang, der mich nicht nur in der Konzeptarbeit wie gewohnt berät, inspiriert und stärkt. Er ist auch richtig fit als Teilzeit-Hausmann. 

Schuf die Kombination aus Fasten-Wandern und strategischer Unternehmensplanung diese erfreuliche Auftragslage?
Natürlich nicht.
Was die Woche Nachdenkens geschenkt hat, ist ein robuster Kompass.
Den brauchte ich, mehr als einmal. 

Ein Jahr mit sehr guter Auftragslage bedeutete naturgemäß auch Momente der Überforderung. Nicht in jeder Sekunde waren alle Menschen rundum glücklich mit meinem Tun.
Es gab anspruchsvolle, gelegentlich sogar explosive Situationen, bei denen ich verantwortlich war und / oder mich verantwortlich fühlte. 

Ganz zu schweigen von dem grundsätzlichen Druck, den alle Selbständigen kennen:
Es war und ist mein Wunsch, weniger reisen zu müssen und regional Fuß zu fassen.
Aber neue Märkte zu erschließen, war noch nie leicht.
Es war und ist mein Wunsch, mein kleines Unternehmen noch fünfzehn, zwanzig Jahre weiter zu führen.
Aber es geht ja nicht jeder Wunsch zwangsläufig in Erfüllung.

Einen Plan B hatte ich nie:
Ich liebe meinen Beruf und meine unternehmerische Freiheit.
Hätten die Regionalisierung und das Downshifting nicht geklappt, wir hätten über die Runden kommen können.
Aber persönlich hätte mich der Verlust herb getroffen.
Mir hätte mehr gefehlt, als Ehrenamt, interessante Gespräche und gute Lektüre ersetzen können, so sehr all das mein Leben immer schon bereichert.

Es ist also beglückend, dass ich arbeiten darf. Meistens.
Der EKS-Kompass spielt dabei eine wertvolle Rolle.
Ich höre meinen Ängsten zu und befrage sie. Das rate ich auch meinen Kunden und Klienten.
Wäre Angst aber mein alleiniger Ratgeber, sie würde mich auffressen.
Hätte die Angst zu scheitern mein Verhalten in der Regionalisierungs- und Downshifting-Phase beherrscht, die Regionalisierung wäre nichts geworden.

Der Kompass hilft, dass ich mich wieder einnorde, wenn ich die Orientierung zu verlieren drohe. Das passiert. Menschen, über die ich mich ärgere.
Situationen, die ich nicht zum Guten verändern kann.
Übermüdung, wenn Ferien nicht in Aussicht sind.
Trotz Regionalisieren und Downshiften. 

Oder vielleicht genau deshalb:
In Jahr 1 ist nun einmal fast alles neu.
Fast jeder Kontakt ein neuer.
Fast jedes Seminar eine neue Zielgruppe.
Fast jedes Coaching ein neues Unternehmen.
Wenig Routine.
Da ist hohe Aufmerksamkeit gefordert.
Hoher Lernaufwand.
Hoher Arbeitsaufwand.
Downshiftig dürfte, wenn weiter alles gut geht, ab Jahr 3 spürbar in Entschleunigung münden.
Da bin ich noch nicht.
Also bin ich gelegentlich erschöpft und zwar so richtig.
Dann spinnt der Kompass und ich muss mich frisch einnorden.
Normalerweise gehe ich dafür so schnell wie möglich runter zum Strand. 

Als meine 5jährige Nichte kürzlich zu Besuch war und schlechte Laune hatte, erklärte ich ihr diese Strategie: „Bei uns ist niemand länger als 5 Minuten maulig.“
Sie guckte mich mit großen Augen an.
„Nach 5 Minuten kennen wir entweder den Grund für unsere schlechte Laune und können dann etwas tun. Oder wir gehen runter zum Strand und gucken aufs Wasser.“
„Und dann?“, fragte sie.
„Dann guckst Du einfach 5 Minuten auf das Glitzern und hörst auf das Gluckern und spürst den Sand, der kitzelt. Danach hast Du keine schlechte Laune mehr.“
Am nächsten Tag probierte sie es aus.
Sie hat eine etwas schwierige Phase.
Fünf Jahre alt zu sein, ist auch nicht leicht.
Sie blieb lange am Wasser stehen.
Dann rannte sie zu ihrer Mutter:
„Tante Claudia hat recht“.

Letzt aber war das Wetter so gruselig, dass selbst ich nicht rausgehen mochte.
Das kommt sehr selten vor.
Es regnete nicht.
Es schüttete.
Seit Stunden.
Kein Ende in Sicht.
Ich musste eh in den Großmarkt am anderen Ende der Stadt.
Der ist samstags überfüllt. Egal. Ich musste raus und es schüttete.

„Frau Linker!“, hörte ich jemanden rufen.
Zögerlich drehte ich mich um, mir war nicht so nach reden.
Es war eine Coaching-Klientin.
Sie strahlte.
Ich freute mich mit ihr.
Und dann kam der Satz, der den Kompass endgültig wieder ausrichtete:
„Dieses Lachen habe ich vermisst.“
Merke: Wenn jemand sich über Dein Lachen freut, ist das mindestens so gut wie 5 Minuten aufs Wasser zu gucken. 

Für uns beginnt jetzt die Sommerpause.
Wolfgang und ich richten unseren Kompass auch dieses Jahr neu aus.
Nach der Sommerpause gibt sporadisch neue Blog-Einträge.
Von meinem Lachen reden übrigens viele. Es heißt, es sei unglaublich. Ich weiß nicht, ob das wirklich immer ein Kompliment ist. Auf jeden Fall ist es ein Erkennungsmerkmal. Sollte in meinem Pass stehen.
Falls Sie es kennen lernen möchten: gern.
Am Besten kommen wir ins Gespräch miteinander. Z.B über Ihre Ziele und was Ihnen hilft, den Kompass neu auszurichten. Wir werden dabei garantiert etwas zum Lachen finden. 

28
Feb

#3: DER SINN DES LEBENS

von Claudia Linker (Monnet)

WANDELN!
Gestern war ich ganz fest entschlossen, zu schreiben. Diesen Blog-Eintrag. Morgen ist Aschermittwoch und damit beginnt offiziell die christliche Fastenzeit. Fasten ist eine Einladung, sich frei zu machen von etwas, um frei zu werden für etwas. Change Management mit Tradition, sozusagen. W a n d e l n heißt der Fasten-Begleiter von Andere Zeiten e.V. und deutet eine doppelte Bewegung an: von Körper und Geist. Nach innen und außen. 

PLÄNE, HINDERNISSE UND NEUE PLÄNE
Ich war gestern also ganz fest entschlossen, zu schreiben. Früh war ich im Büro und - - -
Der Strom war weg!
Ich musste die Bücherregale leer räumen, um an die Steckdosen zu kommen. Das würde dauern.
Dann würde ich es nicht schaffen, zu schreiben. Vielleicht würde ich es nicht bis Aschermittwoch schaffen. Dann wäre der Aufhänger futsch. Wie doof.

Andererseits: Wie lange wollte ich die Bibliothek schon entrümpeln, gründlich putzen, neu sortieren? Vielleicht ließe sich beides schaffen: Den einen Tag die Bibliothek in Ordnung bringen. Den nächsten Tag den Blogeintrag schreiben. Die Entscheidung war gefallen. Abends hatte ich Muskelkater.

JEDER HAT SEIN STRUDELWÜRMCHEN
Das Strudelwürmchen ist eine geniale Illustration von Maja Storch: Es steht für unser “Bauchgefühl“, für die Gehirn-Regionen, die uns über Gefühle, nicht über Sprache steuern. Das Strudelwürmchen hat Lust oder nicht. Wenn es keine Lust hat und wir es zwingen, wird sich das rächen. Immer.
Wolfgangs Strudelwürmchen verführt ihn, Dinge sein zu lassen.
Mein Strudelwürmchen verführt mich, möglichst viel zu erledigen.
Mein Strudelwürmchen hält mich nicht vom Arbeiten ab.
Es zwingt mich dazu.
Ich bin eher von der Fraktion Stachanow.
Sagt Wolfgang. 

Stachanow war ein Vorzeigearbeiter des stalinistischen Arbeitsethos der Sowjetunion. Jean-Jacques Goldmann besingt ihn in “Je serai doux“ (... lässt sich beim Lesen dieses Eintrags gut hören) als das Gegenteil des Wünschenswerten: Lieben ist nichts Schweißtreibendes, als wäre man ein Stachanov der Glückseligkeit, sondern etwas Sanftes. (“Je vous aimerai pas dans la sueur - Genre Stakhanoviste du bonheur“). Recht hat er. Mein Mann hat mir also schon nettere Komplimente gemacht.
Ich will kein Stachanow sein, sondern sanft, heiter, freundlich, entspannt, geduldig, gelassen; meistens.
Aber was ist der Satz, den ich noch heute, im Alter von 50 Jahren (!), regelmäßig von meiner Mutter zu hören bekomme? 

ÜBERFORDERE DICH NICHT!
Vor knapp einem Vierteljahrhundert fingen Wolfgang und ich an, uns ernsthaft mit Lern-Wirksamkeit zu befassen. Gute zwei Jahre verzichteten wir auf Umsatz. Stattdessen gaben wir viel Geld aus für Reisen und Forschung. Das war nicht wirklich so lang geplant. Es ergab sich und es war wunderbar: Unser heutiges Tun, unsere Publikationen, die Qualität unserer Beratung, nichts davon wäre möglich ohne den Grundstock dieser Jahre. Wir wurden Experten für Aktivierendes Lernen und Mikro-Muster der Kommunikation. Die Überforderung lag nicht im Erwerb und fortwährenden Ausbau dieser Expertise. Das ist Lebenselixir. 

DIE ÜBERFORDERUNG LAG IN DER ANGST.
Nach den zwei Jahren begann eine lange, lange Durststrecke: Es waren erst einmal viel zu wenige Menschen, die sofort Nutzen in unserem Tun erkannten und bereit waren, Geld dafür auszugeben.
Durststrecken kannte ich gut, von Kindesbeinen an: Mein Vater war immer krank und dann sehr früh tot. Er überlebte seine späte Entziehungskur um sechs Wochen. Magere sechs Wochen. Ich war gerade 15 geworden.
Wenige Monate später ging ich für ein Auslandsjahr nach Frankreich. Ich sprach fast kein französisch: Es war meine dritte Fremdsprache und der Unterricht hatte wegen Lehrermangels kaum statt gefunden. Brieffreundschaften hatten in der Vorbereitung geholfen, vielleicht aber auch dazu verführt, mich zu überschätzen. Denn einer meiner Brieffreunde fragte mich gleich am ersten Tag: Was ist für Dich der Sinn des Lebens? Mühsam gelang mir eine Antwort.

ICH MÖCHTE JEDEN TAG STERBEN KÖNNEN UND SAGEN: ES WAR GUT.
Das klang sicher ziemlich klug und gelassen. Der Eindruck täuschte! Eigentlich sagte ich nämlich:
Vielleicht sterbe ich schon heute.
DESHALB muss ich jeden Tag alles geben.
DESHALB habe ich keine Sekunde zu verschenken. 

Das ist keine Anleitung dazu sanft zu sein, heiter, freundlich, entspannt, geduldig, gelassen.
Das ist eine selbstausbeuterische, stachanowistische Anleitung.
Das ist eine angstgeprägte Haltung. Das löst Schnapp-Atmung aus.
So will ich nicht sein.
So bin ich nicht mehr (so oft).
Unsere Forschung hat unser Arbeiten gewandelt. Und uns selbst. Der Prozess ist noch im Gange!

“Accelerated Learning“ steht für gelingendes, gutes und tiefes Lernen. Grundvoraussetzungen sind
entspannte Aufmerksamkeit, Freude, Nächsten- und Selbstliebe, VERTRAUEN!

Deshalb lehne ich den Begriff  “Accelerated“ in Verbindung mit “Learning“ ab. Es geht nicht ums Beschleunigen. Es geht um das Aktivieren der Grundvoraussetzungen (meinetwegen: der intrinsischen Motivation). Ich sage “Aktivierendes Lernen“.

Ja, vielleicht sterbe ich schon heute.
DESHALB will ich jeden Tag auskosten.
DESHALB habe ich gestern die Bibliothek geordnet. (Aber es ist noch viel zu tun.)
DESHALB habe ich jetzt den Blogeintrag geschrieben. (Aber vielleicht schaffe ich die Übersetzungen ins Englischen und Französische nicht pünktlich.)
Sollte ich heute sterben, es wäre gut. (Muss aber wirklich nicht sein!)

Wovon wollen Sie frei sein? Wofür wollen Sie frei sein? Was ist für Sie der Sinn des Lebens?
Wir können gern darüber ins Gespräch kommen.

30
Okt
Kahneman Schnelles Denken Langsames Denken

#2: ABSTAND SCHAFFEN

von Prof. Dr. Wolfgang Linker

OHNE ABSTAND KEINE VISIONEN. OHNE VISIONEN KEINE STRATEGIEN.
Hören Sie jetzt im Geiste Helmut Schmidts Bonmot: "Menschen mit Visionen sollten zum Arzt gehen!"? Hier irrte unser hoch verehrter Bundeskanzler a. D.. Visionen sind bestenfalls eben keine wahnhaften Vorstellungen, sondern wichtige Leitbilder. Oder irrte er doch nicht? Es stimmt ja: Auch Selbständige, Unternehmer und Manager brauchen oft einen "Arzt", um das krankhafte Gedankengewebe unrealistischer Illusionen herauszuschneiden und das gesunde Gedankengewebe realistischer Wunschvorstellungen aufzupäppeln.   

Illusionen und Visionen unterscheiden sich 3fach: inhaltlich, motivatorisch, strategisch.

#1 INHALT:
Strebte ich an, einmal zum Kreis der Nobelpreisträger gehören, wäre das irreale Träumerei. Mit 75 Jahren ist meine  Garantie bereits abgelaufen: z.B. die Kraft-Garantie für langjährige Forschungen.
Gesunde Visionen antworten also auf die Frage: Welches Ziel ist konkret erreichbar? 

#2 MOTIVATION:
Ich kann einiges dafür tun, im Alter fit zu bleiben. Mit Betonung auf "tun". Es braucht den Willen zur Tat, d.h. es braucht Motivation. Das ist der zweite Unterschied zwischen Illusion und Vision.  
Gesunde Visionen antworten also auch auf die Frage: Warum ist es reizvoll, ein konkretes Ziel zu erreichen? 

#3 STRATEGIE:
Der dritte Unterschied liegt im Erfolg versprechenden Plan.
Gesunde Visionen antworten also weiter auf die Frage: Wie genau lässt sich das reizvolle Ziel erreichen?

Gesagt, getan? Nein! Seit Jahren weiß ich rational, dass ich viel dafür tun könnte, auch nach der "Garantiezeit" fit zu bleiben. Ebenso weiß ich rational: Es wäre mir möglich, mein zweites Buch zum Thema Kommunikation zu vollenden, dass seit nahezu zwei Jahren zu zwei Dritteln fertig in der Schublade liegt. Inhaltlich, motivatorisch und strategisch sollte alles klar sein. Eigentlich. Es braucht aber noch etwas Elementares. Ein viertes. Fasten und Wandern ebnen den Weg dahin: Es braucht Abstand zu Visionen. 

Wir werden mit Abstand und nur mit Abstand erkennen: Wir neigen zur Selbstüberschätzung. Alle. Immer. Und immer wieder. Selbst Alter und Weisheit schützen nicht davor. Das hat der Psychologe Daniel Kahneman so gründlich bewiesen, dass er u.a. hierfür 2002 den Wirtschafts-Nobelpreis erhielt. (Sein Buch “Schnelles Denken, langsames Denken” ist sehr empfehlenswert, aber auch sehr dick. Wer keine 600 Seiten lesen mag: Teil III trägt den Titel ... ja ... richtig: Selbstüberschätzung. Und umfasst nur ca. 80 Seiten).

Selbstüberschätzung klingt unsympathisch. Sie ist schlimmer: Sie  verhindert, dass wir neue Gesichtspunkte akzeptieren – insbesondere, wenn sie gegen uns gerichtet scheinen oder pessimistisch sind. Liebe macht blind. Gier frisst Hirn. Richtig? Richtig!, sagt Kahneman etwas wissenschaftlicher: Gegen die Innensicht hat die Außensicht keine Chance. Visionen unterscheiden sich also von Illusionen auch durch ...

#4 ABSTAND:
Gesunde Visionen antworten auf die Frage:  
Wie verschaffe ich mir einen not-wendigen Abstand für möglichst objektives strategisches Denken?

Damit sind wir wieder beim Fasten und Wandern und bei meinen zwei persönlichen strategischen Zielen:
fit bleiben.
Buch schreiben.
Wir verließen unser Büro und damit unsere weitestgehend sitzende und stille Arbeit.
Wir fuhren nach Sylt.
Wir sprachen bei den Wanderungen täglich mit neuen Bekanntschaften über Gott und die Welt.
Wir nutzten die Ruhezeiten für unsere strategische Planung - in einem körperlich und geistig ungewohnten Zustand.
Abstand pur!

Und siehe da:
Tatsächlich bekam ich einen neuen und kreativen Blick.
Ich sah, was ich zuvor übersehen hatte.
Ich stellte mir neue und anderen Fragen.
Ich spürte gleichzeitig und mit Freude: Ich bin auf dem richtigen Weg.
Ich prüfte meine Gedanken, mit meiner Frau als kritischer “Denk-Sprech-Partnerin”.

Außerdem bekam ich neues "Futter":  Die abendlichen Kurz-Vorträge zum Thema Gesundheit boten eine Fülle neuer Informationen, z.B. über Lebensmittel und ihre Bestandteile. Vor allem aber hörte ich erneut, was ich bereits x-mal gelesen, x-mal für richtig befunden und doch ebenfalls x-mal wieder verdrängt hatte. Mit meiner Innensicht: "Jede Art von körperlicher Betätigung ist lästig und überflüssig!" schade ich mir selbst. Hatte bislang nichts genutzt. Keine noch so vernünftige Außensicht hatte bislang bewirkt, dass ich "dran geblieben" wäre. Nun aber hörte ich diese Empfehlung in einer für mich vollkommen neuen Situation: nach körperlich anstrengenden, aber befriedigenden Ausflügen und anschließend fruchtbarer Denk-Arbeit. Das überwand meinen inneren Schweinehund.

Inzwischen bin ich stolzer Besitzer eines edlen "Hacken-Porsches" und erledige unsere Einkäufe zu Fuß. Das ist eine halbe Stunde Fitness, die ich schaffe und durchhalte. Außerdem sitze ich wieder regelmäßig an meinem neuen Buch. An einem neu dafür eingerichteten ruhigen Arbeitsplatz, der mir die für mich notwendige innere Abgeschiedenheit erleichtert. 

Helmut Schmidt hatte also doch recht: Ich hatte "ärztliche Hilfe" gebraucht: Kahneman, die Vortragenden, die zufälligen Gesprächspartner, meine Frau. 

Welchen "Arzt" brauchen Sie, damit Illusionen zu Visionen werden? - Reden wir miteinander?

02
Aug

#1: FASTEN - WANDERN - EKS

von Claudia Linker (Monnet)

Wir aßen mal eine Zeitlang nichts. Dafür liefen wir bei Wind und Wetter, 12 bis 15 Kilometer täglich. Und nutzten das für unsere strategische Jahres-Planung. Und ja: Wir halten das für einen wertvollen Tipp, den sich auch Sie sich zueigen machen können. Beides: Strategische Jahres-Planungen durchführen und an Fasten-(Wander-)Seminaren teilnehmen. Wir kamen nach einer Woche auf Sylt jedenfalls mit einem Rucksack sehr konkreter Pläne zurück und bislang scheinen sie zu keimen. Auch und besonders beruflich relevante. 

Es gibt zwar noch keinen Fasten-Wander-Seminar-Anbieter, der sein Angebot mit strategischer Unternehmensentwicklung koppeln würde. Aber vielleicht nutzen Sie die Gedanken aus dieser Artikel-Reihe, um sich Ihren eigenen strategischen Plan zu basteln, mit oder ohne Fasten (und / oder Wandern). Oder Sie treten in Kontakt mit uns.  Das würde uns sehr freuen.

"Was wollen wir wie und warum (weiterhin / neu / überhaupt) konkret tun?", diese Frage will nämlich unbedingt gestellt und beantwortet werden. Im Jahr 2015 bei uns ganz besonders dringend, unter anderem, weil Wolfgang stramm auf seinen 75. Geburtstag zuging. Langsam setzte bei ihm also altersbedingt der Wunsch nach etwas mehr Gemütlichkeit ein. Unter anderem aber auch deshalb, weil Claudia ebenso stramm auf ihren 50. Geburtstag zuging. "Probier's mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit" war und ist für sie, ebenfalls altersbedingt, nur phasenweise ein guter Tipp. 

Diese unterschiedlichen Lebensphasen mussten wir also irgendwie gedeihlich ins Lot bringen - und die Firma dahingehend ausrichten. Und das taten wir. Es brauchte einige Monate lang wöchentlich 3-6 Stunden Nachdenken, Schreiben, Besprechen, Entscheiden, Verwerfen, Fokussieren. Dann hatten wir einen hübschen strategischen Plan, der bislang mit Tatkraft, Glück und Fügung auch verblüffend gut aufgegangen ist.

Jetzt im Sommer 2016 also war Zeit eine Zwischenbilanz: Was hatten wir wie genau umsetzen können? Was nicht? Warum? Welche Konsequenzen zogen wir aus Erfolgen und Scheitern für das weitere Vorgehen?

Allerdings war der Kalender voll, was grundsätzlich erfreulich ist, aber die Gefahr mit sich bringt, Dringendes dem Wichtigen unterzuordnen - und eben damit strategische Arbeit zu verunmöglichen. So entschieden wir uns für eine konzentrierte Woche - die ließ sich mit Mühe blocken. 

Zusätzlich entschieden wir uns, zeitgleich einmal wieder zu fasten. Zeitgleich, weil wir schon wussten, dass echtes Fasten sowieso eine Zeit des intensiven Nachdenkens, Prüfens und Neuordnens ist. Und ja, Fasten bedeutet wirklich: nichts essen. Zumindest nichts Festes. Es sei denn, man zählt die Petersilie auf der dünnen Abendbrühe zu den festen Nahrungsmitteln. Neu für uns war die Verbindung mit Wandern, also: Bewegung, richtig viel sogar. So vier, fünf Stunden am Tag. Bei Wind und Wetter. Davon gibt es auf Sylt auch im Juli reichlich, zumindest im Juli 2016. Bislang hatten wir im Kloster gefastet. Da stand zwar auch Bewegung auf dem Programm, aber deutlich moderater. Besonders Claudia kann sich außerdem in klösterlicher Atmosphäre völlig in ihre Gedanken versenken. Das, so befürchtete sie, könnte dieses Mal durch allzu viel Bewegung auf der Strecke bleiben. Das Gegenteil war der Fall. 

Was ist nun in unserem Rucksack voller konkreter Pläne? Davon schreiben wir an dieser Stelle nach und nach. Für heute so viel: Strategische Planung bringt uns in Verbindung mit dem, was wir wirklich wollen - und was nicht. Strategische Planung stellt Gewohnheiten auf Pause und hinterfragt sie. Strategische Planung macht frei von falschen Zwängen und für echte Anliegen. Ersetze "strategische Planung" durch "Fasten" alternativ durch "Wandern" oder gar durch "Fasten" und "Wandern".

Neugierig auf mehr? Schön!

01
Dez

Sprachen … plaudern miteinander

SPRACHEN LIEBE ICH EINFACH. JEDEN TAGE LERNE ICH WAS. AUS MEINEN FEHLERN.

Einmal stolpere ich über das englische "operate" für "operieren". Ich hätte schwören können, das ist ein falscher Freund. Ist es nicht. Kann man sagen, ebenso wie "do surgery". Ok.

Dann rutscht mir "cabinet" raus, aber ich spüre: Das klingt falsch. Wobei: Französisch geht immer und "alles klingt sexy auf französisch". Noch meine Großmutter beschloss nach erheiratetem sozialen Aufstieg, künftig den Trottoir und keinesfalls mehr den Gehweg zu benutzen. 

Jetzt will ich es wissen und schreibe mal auf, wie das nun heißt: Arztpraxis in "meinen" aktuellen Sprachen. Kabinett sagen Franzosen und Italiener; Konsultation Dänen und Spanier; Praxis Deutsche und Russen.

Das Englische, britisch und amerikanisch, wirkt ziemlich merkwürdig ... Aber ein Blick auf die Wortwurzeln zeigt: Eher tanzt das französische Cabinet aus der Reihe.

Langweilig? Kein Stück!
Faszinierend? Ja! 

Wörter tanzen immer schon von einer Sprache in die andere. Wenn ich also ganz ganz oft doctor's cabinet in englischen Konversationen sage, dann setzt es sich vielleicht durch. Oder auch nicht. Auch ok. Alles klingt sexy auf französisch.

TIPPS FÜR ALLE, DIE ANGST HABEN, SICH IN FREMDEN SPRACHEN ZU BLAMIEREN:  

SAGEN SIE SICH EINFACH: “Fehler gibt’s gar nicht, nur Formulierungen, die sich noch nicht durchgesetzt haben.“ — Vielleicht sind Sie gerade ein Trendsetter?

FORSCHEN SIE NACH: Unser Gehirn produziert nie (!) absoluten Blödsinn. Im Gegenteil: Unser Gehirn stiftet ständig und rund um die Uhr Sinn. Es sucht nach Verwandtschaften und bildet Assoziationsfelder. Füttern Sie diese Assoziationsfelder. Mein Weg hier war, den Wortwurzeln nachzugehen und mir sprichwörtlich ein Bild zu machen.

ÜBERKOMPENSIEREN SIE: Durch dieses Forschen habe ich noch mehr gelernt als die richtigen Bezeichnung für “operieren“ und “Arztpraxis“ in meinen Sprachen: z.B., dass Chirurgie wörtlich bedeutet, mit den Händen zu arbeiten. Das griechische Wort “kheirourgia“ ist eine Zusammensetzung von “kheír“ (Hand) und “érgon“ (arbeiten). Plötzlich liefern mir meine Assoziationsfelder ganz viele andere Wörter, in denen “érgon“ vorkommt — und ihre Bedeutung wird klarer.

BELOHNEN SIE SICH FÜR IHR PHANTASTISCHES GEHIRN: Sie könnten mit jemandem über Ihre Entdeckungen reden. Das vervielfacht dann die Wahrscheinlichkeit, dass Sie das Gelernte langfristig erinnern werden, und zwar gern.